Zitate zu "Fernsehen"
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Gerd Bacher
REDE: DER WEG IN DIE ZUKUNFT! "Leute anderer Ansicht unterstellen mir gern, ich möchte beim ORF alles "wie zu meiner Zeit." Sie unterschätzen meine Intelligenz: Ich weiß wohl, dass alles anders ist und viel schwieriger als damals. Ich wäre froh, wenn so manchem seit damals mehr eingefallen wäre. Im übrigen halte ich es mit Henry Kissinger, der in meinem Beisein sagte: "You know, I am always deeply impressed with myself." // Nachdem auch das geltende und an sich brauchbare Rundfunkgesetz sich als ungeeignet erwiesen hat, nicht umgangen zu werden wie der Vorsitzende des Stiftungsrates unlängst in einem Interview erklärte, der ORF sei "nicht unrettbar", plädiere ich für ein neues Rundfunkgesetz der radikalen Veränderung und zwingenden Auflagen. Ich erlaube mir einige Hauptgesichtspunkte vorzuschlagen: // Der ORF ist mit Struktur und Personal von heute auf Dauer nicht finanzierbar. Die Einnahmen werden von zu großen Teilen vom Apparat aufgefressen, für das immer teurere Programm bleibt zu wenig. Durch das neue Gesetz ist das Haus auf die Kernaufgaben zu konzentrieren und gesund zu schrumpfen. Vor allem ist die Todsünde der alten Geschäftsführung von mehr als tausend zusätzlichen Anstellungen schnell zu sanieren. Zahlreiche Dienststellen, auch Direktionen, sind zu streichen, bzw. zusammenzulegen. Mit verstärktem Einsatz von Privatproduzenten und freien Mitarbeitern sind die erforderliche Produktivität und Flexibilität herzustellen. // Der Stiftungsrat - heute ein parteipolitisches Trainingscamp - ist zumindest auf die frühere Aufsichtsratgröße von 22 Mitgliedern zu reduzieren. Der Vorsitzende muss ein ausgewiesener Medienfachmann sein. Der Betriebsrat hat bei der Wahl der Geschäftsführung kein Stimmrecht. Die Landesstudios werden von den Einsparungen voll erfasst. // Der Quotenwahn und damit die Abhängigkeit von der Werbung sind durch Reduzierung der Werbezeit zu beenden. Das Schema ist in wichtigsten Zeitzonen nicht nach den Bedürfnissen der Werbung, sondern nach jenen des Programms auszurichten. Im deutschsprachigen Raum gibt es keinen öffentlich-rechtlichen Sender mit so hohen Werbeanteilen. Der Ausfall der Werbung wäre durch den Verzicht des Bundes und der Länder auf ihre ungerechtfertigten Anteile an den Gebühren zu kompensieren. // Die Gebührenbefreiungen sind vom Bund, wie schon gehabt, dem ORF zu refundieren. Die Gebühren sind nach deutschem Vorbild von einer unabhängigen Kommission zu errechnen und vom Stiftungsrat zu beschließen. - Generaldirektor Wrabetz sagt in der Presse: "Für einen erfolgreichen Prozess der Veränderung müssen die Mitarbeiter die Umstände und die Vision kennen." Recht hat er. Der Herr Bundeskanzler und die Regierung sind um jenen kultur- und gesellschaftspolitischen Gestaltungswillen gebeten, den ein zukunftssicherer ORF braucht.
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Gerd Bacher
Sie waren schlechte Redner, lasen wenig Bücher und wenig Zeitungen, tranken immer denselben Wein und aßen die gleichen drei Gerichte, aber sie waren die Retter des Vaterlandes. (Gedanken über die legendären Politiker der österreichischen Nachkriegszeit).
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Gerd Bacher
So schön wie in der ersten Zeit ist es nie wieder geworden, so unabhängig auch nie wieder. Wir fühlten uns als Hohepriester der Zentralanstalt für österreichische Identität. Die Parteien konnten sich nicht vorstellen, dass ein Rundfunk das tut, was er für richtig hält. (Gedanken des vom 9. 3. 1967 - 27. 9. 1994 fünf x 4 Jahre amtierenden ORF-Generalintendanten über die ORF-Startjahre).
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Gerd Bacher
So unverschämt wie heute die Politik im ORF umrührt und ihre personellen Anschläge auch gar nicht mehr tarnt, sondern einfach durchführt! Und das einfach bestätigt: 'Wir müssen dort ja auch wen haben!' Ich habe ja diesbezüglich auch allerhand erlebt. Aber das hat Bruno Kreisky schon wesentlich eleganter und mit mehr Respekt vor dem Haus gemacht. Das ist das besonders Bedauerliche. (Gedanken eines rhetorisch brillanten Intellektuellen und "Jahrhundert-Journalisten" zum Thema "Politik, Macht und Gesellschaft").
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Gerd Bacher
Und ich frag' da ganz unschuldig, ich hab' mich nicht blöd gestellt: "Ja, habt's dieses Wunderviech schon, das ihr sucht?" Weil der Generalintendant war mit so viel Unabhängigkeit vom Gesetz ausgestattet, dass natürlich jeder gespannt war: "Ja, wer wird denn das werden?" Hab'n die g'sagt: "Ja, ja, den hab'n wir schon." Und ich frag' völlig ahnungslos: "Ja, wen denn?" "Ja, dich." Sag' ich: "Ihr seid's völlig irr. Ich hab' keine Minute Radio gemacht in meinem Leben, ich hab' keine Minute Fernsehen gemacht. Ich weiß über Journalistik und Information gut Bescheid". (Reaktion des späteren Generalintendanten zu einer Delegation prominenter Journalisten, die ihn für die Position des ORF-Alleingeschäftsführers gewinnen wollte).
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Gerd Bacher
Von New York bis Moskau gibt es keinen, der ein Medienunternehmen führt und nicht weiß, wer Gerhard Zeiler ist. Und auf einen solchen Kapazunder glaubt man hierzulande verzichten zu können. (Gedanken über einen potentiellen neuen ORF-Chef - Gerhard Zeiler -, der Bacher nach Ende seiner fünften Amtszeit im Jahre 1994 nachfolgte).
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Gerd Bacher
Vor'm Sterben hat jeder Angst. Ich nicht. Ich bin fest überzeugt, dann ist's aus. Natürlich ist mir das klar, dass das wahrscheinlich das propagandistisch meist wirkende Argument der Kirchen ist, wenn sie mir den Glauben nahebringen, mit mir geht's nachher weiter.
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Gerd Bacher
Was hätte denn mir das bei der ÖVP-Alleinregierung nutzen können? Die hat mich also sicherlich zum Teil mit einem erheblichen Misstrauen betrachtet, hat g'sagt: "Einer von uns ist das nicht. Wenn er das Fernsehen wieder zu einem sozialistischen Direktor gibt und das Fernsehen ebenfalls zu einem sozialistischen Chefredakteur." (Über die Bestellungen von Helmut Zilk zum Fernsehdirektor und Franz Kreuzer zum Chefredakteur).
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Gerd Bacher
Was mir auch hier sehr auf die Nerven geht, man bemüht sich, aus Salzburg, das einen Weltkulturruf hat, auch noch eine Sportstadt zu machen. Es wär' viel besser, man würde endlich einmal eine wirkliche Kulturstadt aus Salzburg machen. Das mit der Sportstadt kommt mir so vor, als wenn ich mich mit meinen ein Meter vierundsechzig seinerzeit bei Friedrich dem Großen zu den "Langen Kerlen" gemeldet hätte. (Gedanken eines wortgewaltig-kritischen Salzburgers und nach Eigendefinition "Unabhängigen und vorlauten Subjekts" zu vermeintlich kommunalpolitischen Irrwegen).
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Gerd Bacher
Wenn man Unabhängigkeit für sich in Anspruch nimmt, eckt man an. Ich hab' es aber nie als eine Hauptaufgabe betrachtet, ein parteipolitischer Sunnyboy hier zu sein, sondern einen unabhängigen Rundfunk zu führen. (Als "Strafaktion" deutete Gerd Bacher seine Abwahl am 7. 7. 1986, nachdem er 1985 einen Wunschkandidaten von Bundeskanzler Dr. Sinowatz ablehnte).
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Gerd Bacher
Wie hat der Karajan einmal so schön zu mir gesagt: "Ja, natürlich, Bacher, glaube ich an Gott und an das ewige Leben. Ich könnte mir nicht vorstellen, dass so ein Talent, wie das meine, nur für ein Leben verliehen wurde." Ja, also, so viel Selbstbewusstsein, aber vor allem so viel künstlerisches Genie hab' ich nicht.
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Gerd Bacher
Wir wollten ja nicht die Länder repräsentieren sondern den ORF in den Ländern. Wenn wir dort ein Schindelgebäude und einen jodelnden Hirterbuam hingestellt hätten, was manchen sicher sehr gefreut hätte, wär' nie jemand auf die Idee gekommen: "Das ist der ORF", sondern: "Jetzt samma in Tirol, holodero". (1969 über den neuen ORF, "Föderalismus und Regionalisierung" und den Bau der von Gustav Peichl geplanten Landesstudios Salzburg, Innsbruck, Linz und Dornbirn).
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Gerd Bacher
Zwischen '67 und '74 habe ich eine herrliche Orgel gehabt, danach hat man sie zwangsgedrosselt. (Reminiszenzen des "Tigers" an Bruno Kreisky und dessen Rundfunkreform).
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Roland Barthes
Wenn eine wissenschaftliche Analyse der Blödheit möglich wäre, würde das ganze Fernsehen in sich zusammenbrechen.
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Rainer Barzel
Die Barone von heute sind die Fernsehredakteure und die Gewerkschaftssekretäre.
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Franz Beckenbauer
Bei dieser Flut an Arzt-Serien und unsäglich dummen Talk-Shows kann es gar nicht genug Fußball im Fernsehen geben.
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Franz Beckenbauer
Für die EM 2004 kann sich Österreich kaum noch qualifizieren. Krankl soll sich die Spiele im Fernsehen anschauen, dazu lernen. Dann muß er aber gleich nach der EM seine Auszeit beenden und eine starke Elf für die WM-Qualifikation finden.
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Franz Beckenbauer
In Amerika wird hauptsächlich vom Fernsehen bezahlt. Die Bezahlung unseres Fernsehens an die Bundesligavereine ist ja wirklich nur ein Schmerzensgeld.
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Franz Beckenbauer
Was mir vorschwebt ist: Daß das private Fernsehen sich etabliert, daß es sattelfester wird und daß ich als Fernsehkommentator arbeite.
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Boris Becker
Ich hatte 18 Jahre lang das Gefühl, von Journalisten nie die richtige Frage gestellt zu bekommen. Es ging immer nur ums Ergebnis, nie um den Menschen.